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Careys Familyfarm

Ohne jeglichen Netzempfang und 32km vom nächsten Ort entfernt (Waitomo) gönnte ich mir dann nochmal das Kontrastprogramm zum Cityleben. Die Familienfarm der Careys liegt mitten im Nirgendwo, umgeben von grünen Hügeln und ist eine biologisch zertifizierte Milchkuhfarm. Der eine Teil des Hofes ist Verantwortungsbereich der Eltern Dave und Claire, sowie des einen Sohnes Mike. Dort befindet sich auch der Melkstand, sodass die Arbeit mit den Kühen hauptsächlich dort stattfindet. Etwas weiter die Straße runter (die Nachbarfarm) ist der Hof von Craig, dem anderen Sohn von Dave und Claire und mein Zuhause. Dort leben all die jährlichen Kälbchen, bis sie alt genug sind selber gemolken zu werden, sowie die alten & kranken und alle Kühe die nicht im täglichen Melkrythmus mitlaufen können. Außerdem ist der Hof Zuhause von 400 Baby Fasanen die in einem Gehege bis zum Erwachsenenalter aufgezogen und dann freigelassen werden um für die Fasanenjagt zu Verfügung zu stehen und den natürlichen Vogelbestand zu schützen. So war eine meiner täglichen Arbeiten das versorgen der „birds“. Die größte Arbeit war jedoch das Umtopfen von ca 500 Pflanzen/Bäumen. Es ist zu spät im Jahr um sie zu pflanzen und da der Aufwand für die Baumschule zu groß wäre die Pflanzen für ein Jahr zu behalten, galt es: entweder wir nehmen Sie oder sie werden weggeworfen. Also fuhren wir für einen Tag nach Auckland – mit einer sehr lustigen Autofahrt! Ich erklärte Craig das Spiel „gelbes Auto“ und es endete damit, dass wir beide Eiscreme im Gesicht hatten und jeglicher gelbe Gegenstand dazu genutzt wurden den anderen zu schlagen. Dieser Trip führte also am nächsten Tag bei uns beiden zu einer blauen Schulter (und Craigs Schulter hat definitiv mehr gelitten 😀 )- wir packten also, an der Baumschule angekommen die gesamte Ladefläche des Pick ups voll mit Pflanzen um soviele wie möglich von Ihnen vorm Komposthaufen zu bewahren! Die rund 500 Pflanzen mussten dann am Hof aus ihren kleinen Pötten rausgeholt werden und in größere Potttüten umgesetzt werden um darin ein Jahr zu überleben. Als Füllmaterial nutzten wir ein Mix aus Kuhmist und normaler Erde, was bedeutete, dass erstmal eine Anhängerladung Kuhmist vom Misthaufen und Erde aus einem Loch geschaufelt werden musste… Eine Ladung reichte für ca 60-70 Pflanzen…

Aber natürlich durfte ich, als wwoofer auf einer „Dairy farm“ auch mal beim Melken helfen! Und DAS war mit Abstand die coolste Arbeit, die ich bis jetzt während meines gesamten Neuseeland Aufenthaltes gemacht habe. Ich weiß nicht wieso, aber mir hat die Arbeit im Melkstand einfach riesen Spaß gemacht!! Von da bin ich jeden Tag freiwillig morgens um 4:15 Uhr aufgestanden und hab meine anderen Arbeiten so gelegt, dass ich ab 15:30 Uhr wieder Zeit hatte um beim melken „mit zu helfen“. Eigentlich war ich nicht die grööößte Hilfe, da ich noch nicht richtig sicher war und meine Kühe dann immer doppelt kontrolliert werden mussten, aber es war nicht so anstrengend mit Doppelbesetzung zu arbeiten und Ryan (der Arbeiter im Melkstand) hat mir versichert das es kein Problem ist 🙂 . Auch wenn der morgendliche Marsch für mich immer eine kleine Herausforderung war: Mike mit seinen 1.90m macht deutlich größere Schritte als ich und Hindernisse wie Strom- und Stacheldrahtzaun sind weniger kompliziert wenn man einfach einen Schritt darüber machen kann..- habe ich die morgendliche Ruhe und das Gefühl der stillstehenden Welt sehr genossen! Leider gab es aber viele Regentage und mit ‚viele‘ meine ich fast jeden Tag, denn die Farm ist so eine Art Regenloch! Auch wenn überall schönes Wetter ist und die Sonne scheint, in Piripiri regnet es!! An manchen Tagen war es so verregnet, dass wir garnicht wirklich rausgegangen sind. Dann hab ich Claire und Dave beim Streichen des neuen Hauses geholfen, konnte mich beim Scheren eines Schafes ausprobieren (anstrengender als es aussieht) oder hab Weihnachtsplätzchen gebacken und das ganze Haus vom so garnicht weihnachtlichen Craig mit Girlanden, Lametta und Schleifchen geschmückt. Am Ende stand sogar ein Weihnachtsbaum im Wohnzimmer 😀
Obwohl wir beide am Abend immer ganz schön geschafft waren und die sightseeing Trips immer weiter nach hinten schoben, haben wir doch ein paar Sachen unternehmen können. Wir sind zum Wasserfall gefahren, der von den vier Flüssen der Farm gespeißt wird und sich ohne großen Touri Schnickschnack mitten im Wald befindet, das war schön! Dann sind wir eines Nachts zu einer Höhle gefahren die nicht so bekannt ist (wie die Touristisch überlaufenden Waitomo Glowwormcaves) und konnten Milliarden von Glühwürmchen sehen. Dieser Anblick war so Beeindruckend, dass es mich sprachlos gemacht hat. Ich hätte Stunden in dieser Höhle verbringen und einfach nur auf die kleinen Lichtlein starren können, die aussehen wie unendliche funkelnde Kristalle. Als wir aus dem Wald und der Höhle rauskamen, wirkten die Sterne lächerlich glanzlos und unbeeindruckend – und das obwohl der Sternenhimmel in Neuseeland schon wirklich was zu bieten hat!! Außerdem haben mich Mike und Craig (auf meinen Wunsch) auf eine Jagd mitgenommen. Freunde von Mike hatten ein Vorweihnachtsfest und wollten gerne einen Hirsch für das Abendessen haben. Also marschierten wir ab in die Berge und machten uns auf die Suche nach Bambi… Nein.. Natürlich nicht… Bambi, so wurde mir versichert wird nicht geschossen und auch nicht Bambis Mum. Am Ende musste Bambis Bruder dran glauben… Hinter Mike her kriechend war ich direkt dabei als der Schuss abgefeuert wurde. Ich hatte erwartet mich etwas schlecht zu fühlen oder wenigstens Mitleid für das Majestätische Tier zu empfinden, aber am Ende war ich mehr geschockt davon, dass ich rein garnichts gefühlt hatte. Erschreckender Weise scheint das, wie mir Criag später erzählte, eine häufige Reaktion von Menschen zu sein und das schockierendste für viele bei der ersten Jagd, ist die eigene, unerwartete Emotionslosigkeit. Für mich war die Jagd eher ziemlich aufregend und interessant, da ich die Möglichkeit hatte, ein frisches, noch warmes, gerade aus dem Kreislauf gerissenes Hirschherz in den Händen zu halten und die gesamten Organe und die einzelnen „Funktionsteile“ des Tierkörpers betrachten zu können. Deshalb bleibt die Jagd für mich ein Erlebnis, bei dem ich etwas unerwartetes über mich selbst gelernt habe und eine einzigartige Ansicht eines so Majestätischen Lebewesens hatte, welches für mich jegliche Königlichkeit verlor als es mit starrem Blick vor mir auf dem Boden lag und ich werde diese gesamte Erfahrung (als nicht schlechte) immer mit mir tragen.
Am letzten Tag hat Craig für mich dann noch einen Bootstrip organisiert! Also morgens um 5 aufgestanden, Sachen gepackt und dann mit noch zwei Anderen rauf aufs Boot und raus in die Tasman sea. Wir hatten wunderschöne Aussichten, konnten die Grünen Hügel sehen, zwischen denen noch der Morgendunst hing und die Sonne die langsam durch die Wolken brach… Herrlich!! Nachdem wir dann aus der geschützteren Bucht raus waren und in die offene See fuhren, war die Aussicht für mich dann nicht mehr so schön. Denn meinen Kopf auf den Knien abgestützt und die Augen zugekniffen versuchte ich für den Rest der Tour meine aufkommende Übelkeit zu unterdrücken. Ja ich wurde Seekrank! Nicht richtig schlimm, aber ich hatte ein dauerhaft flaues Gefühl im Magen und nach den Aussagen der anderen ähnelte meine Gesichtsfarbe dem Teint des weißen Bootes. Aber immerhin, zu Beginn des Trips habe ich dann doch einen Fisch gefangen. Der allererste Biss an der Angel war natürlich an meiner und so zog ich, etwas überfordert und ziemlich aufgeregt einen Fisch ins Boot. Auf die Frage ob sie den Fisch dann töten könnten (auf mein Vegetarierdasein wurde wirklich immer rührend Rücksicht genommen!) wurde von mir mit einem piepsigen „ya“ und Händen vor die Augen haltend geantwortet. Somit hatte ich den ersten Fisch in meinem Leben gefangen und das Abendessen war gesichert..
Nachdem wir dann auf dem Rückweg noch einen Motorschaden hatten und mit gefühlten 5km/h zurück zum Hafen fuhren, sodass wir für den normalerweise 20 Minuten weg 55Minuten brauchten, wurde mir bewusst, dass ich (zusätzlich zu den anderen Bootserfahrungen die ich bis jetzt so gemacht habe), ich und Boote nicht so einen guten Draht haben und ich mich nicht mehr sooo schnell auf ein Bootsabendteuer einlassen werde!!! Glücklicherweise kamen wir aber früh genug zurück, dass ich noch beim Abendmelken mithelfen konnte und der Tag hatte einen guten Abschluss 🙂
Am letzten morgen, bin ich dann noch ein letztes Mal früh aufgestanden um die Kühe rein zu holen und beim Melken zu helfen *_*. Danach hat Mike mich bis nach Hamilton mitgenommen, von wo aus ich dann meine nächste Station ansteuerte…

Ich habe in meiner gesamten Zeit bei den Careys so viel gelernt, über die Jagd mit Pfeil und Bogen (Criag ist Leidenschaftlicher „Bowhunter), über die Kühe und das Melken und Farming allgemein und natürlich wieder viel über mich selbst. Ich habe soooo viel gelacht und unglaublich viel Spaß gehabt, da die gesamte Familie einfach einen großartigen Sinn für Humor hat und wirklich ganz tolle Leute sind!
Einmal haben sie zu mir gesagt, dass sie noch nie jemand getroffen haben der so oft lacht und grinst wie ich. Ich konnte darauf nur Antworten, dass dieser Umstand absolut nicht an mir liegt, sondern an den Leuten um mich herum!!

Ich wünsche euch schöne und beschauliche Weinhachtstage und schonmal einen guten Rutsch!!
Liebste sonnige Grüße

3 Kommentare zu “Careys Familyfarm

  1. silvia

    Hi Gianna,
    Ich kann alle Bilder sehen, aber hier sind ja gar keine:( Dabei interessiert mich deine letzte Station doch besonders, weil sie Dir so gut gefallen hat:))! Aber vielleicht kommen ja noch welche?! Liebste Grüße Silvia

    1. georgia rambow

      Hallo Gianna,
      alles Gute für Dein neues spannendes Jahr -deine Berichte sind sehr plastisch
      und sehr schön – geniesse es
      LG georgia

  2. Susanne

    Wir wünschen dir einen guten Rutsch ins neue Jahr.
    Ich lese immer gern deine Berichte, weiter so!!!!
    LG Susanne und Isabell

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