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An Herausforderungen wächst man

Zurück bei den Careys bin ich dann auch gleich wieder in den Alltag mit eingestiegen: 04:15 Uhr aufstehen, Kühe reinholen, melken, Frühstück, Fasane versorgen, Farmarbeit, 15:00 Uhr Nachmittag-melken, Enten füttern, 9:00 Uhr ab ins Bett..
Nach der weihnachtlichen Faulenzerei tat es dann auch mal wieder richtig gut, jeden Tag draußen zu sein, sich körperlich zu betätigen (ich sag euch Zaunpfähle festrammen kann ganz schön schweißtreibend sein!) und eine gewisse Arbeitsroutine zu entwickeln.
Craigs und mein größter Job war diesmal also nicht das Umtopfen von Hunderten Pflanzen, stattdessen wurde ich in die komplexe Welt des „fencing“ eingeweiht. Die Zäune auf der Farm sind meist sehr alt und mehr schlecht als recht im Stand. Also hieß es die nächste Zeit: Schritt 1- Zaunpfähle in den Boden (Loch buddeln und Pfahl fest in den Boden stampfen), Schritt 2- Draht ziehen, Schritt 3- Draht an Zaunpfähle befestigen, Schritt 4- „Batons“ (kleinere Holzpfähle zur Stabilisationen) am Draht befestigen. Diese Aktion beschäfdigte uns insgesamt ungefähr zwei Wochen. Dann gingen uns 2 Abschnitte (ca 10 Meter) vor dem Ende die Krampen aus…
Der Zaun ist bis Heute noch nicht fertig…!!!
Neben all der Arbeit unternahmen wir aber natürlich auch nochmal so einiges. Das eine Wochenende kam „Emma“ aus Australien zu besuch. Diese war vor 4 Jahren für 7 Monate auf der farm und hat dort gewwooft. Jetzt kam sie für ein Wochenende zu Besuch zurück auf die Farm (man sieht Wieder einmal, dass beim WWOOFing lebenslange Freundschaften entstehen können 🙂 ). Da die Zeit die sie hier verbracht hatte ja nun schon etwas zurück lag, wurden an dem Wochenende nochmal alle sightseeing Trips unternommen: Es ging zum Strand und wir machten einen kurzen Roadtrip die Küste entlang. Dort besuchten wir einen versteckten Strand, welcher nur durch einen Tunnel in einer Felswand zugänglich ist. Natürlich ging es auch nochmal zum Marakopa Wasserfall und der Höhle mit den Glühwürmchen. Außerdem hatte Emma vor 4 Jahren das Jagen kennen und lieben gelernt und nach einer erfolgreichen Jagd am ersten Abend, kam sie dann, noch nicht ganz in ihrer Freude am Schießen zufriedengestellt, auf die Idee die kleinen Tonzielscheiben und die Wurfmaschine rauszuholen. Gesagt, getan! Und da ich ja auf neue Herausforderungen stehe, hab ich bei dem Angebot: „do you wanna have a go?“ auch nicht „nein“ gesagt! Also hielt ich dann das erste Mal in meinem Leben ein Gewehr in der Hand und feuerte es dann letztendlich, mit dem Ziel die kleinen orangenen Tonscheiben in der Luft zu treffen, auch tatsächlich ab. Neben der Tatsache, dass es sich anfühlte, als würde mein Ohr explodieren und ich würde nie wieder hören können, hätte ich es mir ’schwerer‘ vorgestellt ein Gewehr abzufeuern. Mit einer stolzen Bilanz von 4 Treffern bei 6 Schüssen, stellte ich mich sogar garnicht so blöd darin an. Da aber natürlich die Anforderung dann angehoben werden muss, war am nächsten Tag die 300m Metallzielscheibe dran. Diesmal wurde aber keine Schrotflinte benutzt, sondern ein richtiges Gewehr. Und siehe da – nach ca 2 Minuten Totenstille, voller Konzentration, die einem vorkamen wie eine halbe Ewigkeit, drückte ich ab und TRAF!!! –> Anfängerglück! Aber ich hab es dann dabei belassen. Keine 10 Pferde konnten mich dazu bewegen, das nochmal zu versuchen. Ich hatte getroffen (was wahrscheinlich nie wieder passieren würde) und das beim ersten Mal (womit einfach mal keiner gerechnet hat..) und dieses Zufriedenheitsgefühl und diese Bilanz wollte ich auf keinen Fall zerstören! Doch obwohl ich dachtenes würde schwerer sein, hatte das Schießen und die Tatsache ein Gewehr abzufeuern einen recht großen Einfluss auf meinen Körper. Noch 2 Stunden später, hatte ich die sogenannten „Shakes“ (leichtes zittern und aufgeregt sein) die manche Leute nach der ersten oder einer besonderen Schießerfahrung bekommen.

Aber die Zeit bei den Careys war noch von mehr Herausforderungen und neuen Erfahrungen geprägt (eine Sache die ich so mag an diesem Platz. Mir wird alles anvertraut und zugetraut –> es wird nie langeweilig und es entstehen einzigartige Erfahrungen!). Als David erklärte sein Rücken Spiele ein bisschen verrückt und er müsse beim melken mal aussetzen, wurde gleich nach einer Lösung gesucht, die fehlende Person zu ersetzen, denn Ryan hatte sein freies Wochenende. Mike löste dann das Problem in dem er zu aller Überraschung (und besonders zu meiner!) sagte: „Janna can do the milking!“ Das bedeutete dann für mich, dass ich nicht mit Doppelbesetzung, also halber Geschwindigkeit, sondern alleine allen 450 Kühen die Melkbestecke anlegen musste. Ziemlich aufgeregt, hoch konzentriert und ehrlich gesagt – mit einem fetten grinsen im Gesicht, schaffte ich aber auch diese Herausforderung. Jedoch auch dies konnte noch getopt werden! Gesetzlicher Feiertag bedeutet für Ryan ‚frei‘ und es musste wieder eine Aushilfe ran, was für mich nochmal alleine melken bedeutet! Das hatte ich ja nun schon hinter mir und sah der ganzen Sache etwas gelassener entgegen.. So konnte das natürlich nicht bleiben -wie gesagt: die Anforderung muss ja immer angehoben werden- Mike sagte dann so ganz beiläufig, ich könnte mir ja dann im Morgen Kaye (der absolut süßeste und definitiv mein Lieblingshund hier und eigentlich Mikes Arbeitshund..) holen und die kleine Herde alleine reinholen. Also stand wieder eine ziemlich aufgeregte Janna im frühen Morgen am Melkstand und hoffte, dass die süße Kaye überhaupt für sie arbeiten würde… Denn als ich es mit Craigs Hündin Sally ausprobierte und die üblichen Kommandos rief erntet ich nur einen fragenden Hundeblick! Aber nicht nur ich, sondern auch Kaye gab ihr bestes und gemeinsam brachten wir ALLE Kühe (passiert schonmal, dass morgens im Dunkeln welche übersehen werden) sicher zum Melkstand. Auch diese Herausforderung erfolgreich gemeistert 😀 ! Beeindruckt davon, dass ich jede Steigerung der Anforderungen bis jetzt meistern konnte, blieb die nächste Herausforderung natürlich nicht aus: eine der Herden auf Craigs farm müssen auf eine andere Wiese getrieben werden. Allein. Nur mit Kaye als Hilfe. Also Hund geschnappt, Berge rauf und runter gekrakselt, Kühe gefunden und gestartet. Es begann alles super! Dann kam das Loch im Zaun und die gesamte Herde stand auf der falschen Wiese. Also mussten alle wieder zurück und dabei entdeckte ich auf der anderen Nachbarwiese noch weitere – nicht dahin gehörende – Kühe. Diese also auch noch zurück in die richtige Wiese und dann versuchen meine ursprüngliche Herde endlich zum richtigen Platz zu treiben. Dann kam Loch im Zaun Nr. 2 und die Hälfte meiner Herde endete im Wald. Da es durch all die kleinen Verzögerungen mittlerweile schon auf Mittag zuging, war die Temperatur dementsprechend auch angestiegen und jedes Bellen, Rufen, Fuchteln und Hinternklopfen konnte die Kühe nicht mehr dazu bewegen, den Schatten unter den Bäumen zu verlassen. An diesem Punkt entschied ich dann, diese Herausforderung fallen zu lassen und der deutlich erschöpften Kaye sowie den resignierten Kühen und meiner durchgeschwitzten Selbst eine Pause zu gönnen. Nach für sie ungewohnt vielen, ausgiebigen Kuscheleinheiten und ein Bad im Bach brachte ich Kaye zurück. Zwar musste auch Craig am nächsten Tag beim Versuch die Kühe zu treiben aufgeben, weil es bei der Hitze einfach zu anstrengend/ unmöglich für die Hunde ist, die lauffaulen Kühe zu bewegen, war ich zugegeben etwas enttäuscht diese Herausforderung nicht gemeistert zu haben.
Neben all diesen neuen Erfahrungen und Aufgaben setzte man mich außerdem einen Tag auf einen Bagger und ließ mich ein Loch für den Wassertank am neuen Haus von Dave und Clare Buddeln, sowie auf den gerade aus der Werkstatt eingetroffenen Traktor und ich verbrachte einen Tag die siloballen von der Wiese auf zu sammeln und zu stapeln –> wie gesagt, hier wird es nie langweilig!
Nach 2,5 Wochen auf der farm (was sich jedoch so anfühlte, als würde ich schon eine Ewigkeit auf der Farm arbeiten) platzte David einfach mit den Worten: „Janna, I have a job offer for you“ heraus. Es stellte sich heraus, dass ein befreundeter Farmer auf seiner Biomilchfarm noch einen Arbeiter sucht und als er von mir (die Careys erzählen gerne von ihren wwoofer Stories) gehört hatte, bot er mir den Job an, plus die Bezahlung der 2-3 jährigen Ausbildung zum Dairy farm Business Manager… Nachdem das Angebot die ersten Tabe als nicht wirklich ernst gemeint abgetan hatte, wurde mir , als die anderen weiter davon redeten, bewusst, dass dies voller Ernst war! Also für alles offen und jede neue Herausforderung/Erfahrung annehmend hieß es für mich dann kurzfristig „Bye Bye“ und auf zur nächsten farm. Mir blieb eine Woche auf Russels Hof, bevor ich am 07.02. in den Flieger nach Christchurch steigen würde.

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